Vier Jubiläen, eine Woche: Warum Watches & Wonders 2026 die wichtigste Uhrenmesse des Jahrzehnts wird
Luxoria Redaktion

Vom 14. bis 20. April 2026 verwandelt sich Genf in die Hauptstadt der Uhrmacherei. Im Palexpo zeigen 64 bis 66 Marken ihre Neuheiten — mehr als je zuvor. Audemars Piguet kehrt erstmals seit 2019 zurück. Grand Seiko debütiert mit dem Ultra-Luxus-Sublabel Credor. Doch was diese Woche einzigartig macht, sind vier Jubiläen, die gleichzeitig fallen.
Patek Philippe Nautilus — 50 Jahre
Die Nautilus ist mehr als eine Uhr. Sie ist das Symbol dafür, was passiert, wenn Haute Horlogerie auf Sportlichkeit trifft. Als Gérald Genta die Referenz 3700 im Jahr 1976 entwarf — inspiriert von den Bullaugen eines Transatlantikliners — war die Idee einer Luxus-Sportuhr in Stahl fast absurd. Heute ist die Nautilus eine der begehrtesten Uhren der Welt.
CEO Thierry Stern hat klargestellt: Keine Stahl-Variante der aktuellen 5811. Stattdessen erwarten Insider eine Edelmetall-Version in Platin oder Weißgold, möglicherweise mit einer Hochkomplikation wie einem ewigen Kalender oder einer Minutenrepetition. Geleakte Referenznummern auf Pateks eigener Website deuten auf drei neue Platin-Perpetual-Calendar-Modelle und einen In-Line Perpetual Calendar hin.
Für Sammler bedeutet das: Die aktuellen Stahl-Referenzen könnten im Schatten der neuen Jubiläumsmodelle an Aufmerksamkeit verlieren — kurzfristig. Langfristig dürfte jede Nautilus mit „50th Anniversary"-Bezug zu den gesuchtesten modernen Patek-Referenzen gehören.
Tudor — 100 Jahre
Tudor wurde 1926 gegründet und hat sich in den vergangenen zehn Jahren vom „kleinen Bruder" von Rolex zu einer eigenständigen Marke mit eigenen Manufakturwerken entwickelt. Die Kenissi-Kaliber, insbesondere das COSC-zertifizierte MT5402 in der Black Bay 58, haben Tudor in der Wahrnehmung von Sammlern und Experten auf ein neues Niveau gehoben.
Zum Centenarium wird zusätzlich der 50. Jahrestag des „Big Block" Oysterdate-Chronographen gefeiert. Ein Prototyp des hauseigenen Kenissi-Automatik-Chronographenwerks wurde bereits bei Only Watch 2023 gezeigt — sein Seriendebüt 2026 wäre eine Sensation und würde Tudor endgültig als vollwertige Manufaktur etablieren.
Audemars Piguet — 150 Jahre
AP feiert anderthalb Jahrhunderte Uhrmacherei und kehrt dafür nach Watches & Wonders zurück — erstmals seit dem Ende der SIHH 2019. Bereits im Februar 2026 wurden mehrere neue Royal-Oak-Referenzen vorgestellt. Zum Jubiläum ist mindestens eine neue limitierte Royal Oak zu erwarten, möglicherweise mit einer bisher ungesehenen Komplikation oder einem neuen Gehäusematerial.
Rolex: Das Jahr der Spekulationen
Bei Rolex fallen zwei 70. Jubiläen zusammen: Der Day-Date, 1956 als erste Uhr mit ausgeschriebenem Wochentag auf dem Zifferblatt lanciert, und der Milgauss, Rolex' Antwort auf die Anforderungen von Wissenschaftlern und Ingenieuren in Magnetfeldumgebungen.
Die spannendste Entwicklung betrifft allerdings ein Modell, das nicht Geburtstag feiert: Die GMT-Master II „Pepsi" mit blau-roter Lünette scheint aus dem Programm zu verschwinden. Weltweit wurden Modelle aus Händlerkatalogen entfernt, Gebrauchtpreise steigen seit Januar um rund 3.000 Dollar. Als Nachfolger gilt eine „Coke"-Lünette in Rot-Schwarz — Rolex hält ein 2022 erteiltes Keramik-Patent für genau diese Farbkombination.
Weitere erwartete Neuheiten: Eine mögliche Titan-Variante des Daytona oder Submariner — Titan gewinnt im Luxussegment seit zwei Jahren an Akzeptanz. Neue Zifferblattfarben für den Land-Dweller, der sich im zweiten Modelljahr befindet. Und möglicherweise ein Revival des Milgauss mit grünem Saphirglas — ein 2025 erteiltes Patent für farbige Saphirgläser macht die ikonische grüne Glace Verte technisch möglich.
Die Trends der Saison
Über alle Marken hinweg zeichnen sich klare Richtungen ab. Die Gehäuse werden kleiner: 36 bis 40 Millimeter statt der jahrelang dominierenden 42 Millimeter und größer. Reichere Zifferblätter gewinnen: Stein, Fumé-Verläufe und Guillochage ersetzen die schlichten, einfarbigen Dials der vergangenen Jahre.
Bicolor-Modelle — die Kombination aus Stahl und Gold — erleben nach Jahrzehnten der Stahl-Dominanz ein Revival. Und Komplikationen stehen wieder über dem Hype: Käufer suchen Charakter und Langzeitwert statt kurzfristiger Trendmodelle. Die wichtigste Verschiebung ist vielleicht die subtilste: Der Uhrenmarkt bewegt sich weg von der Spekulation und zurück zur Wertschätzung von Handwerk.
Was Sammler wissen müssen
Diese Watches & Wonders ist nicht einfach eine Messe. Sie ist ein Wendepunkt. Vier Jubiläen dieser Größenordnung in einer einzigen Woche bedeuten: Die Marken werden ihre besten Karten ausspielen. Die Neuheiten dieser Woche werden die Referenzpunkte für das nächste Jahrzehnt des Sammelns definieren.
Wer ernsthaft sammelt, sollte die Ankündigungen nicht nur verfolgen, sondern die Sekundärmarkt-Bewegungen in den Tagen danach genau beobachten. Denn wenn ein neues Jubiläumsmodell angekündigt wird, bewegen sich die Preise der Vorgänger — manchmal nach oben, manchmal nach unten. In beiden Fällen entstehen Gelegenheiten.

